Als Apidura 2016 die ersten komplett verschweißten, wasserdichten Bikepacking-Taschen auf den Markt brachte, war das ein echter Wendepunkt. Die damalige „Dry“-Serie – später als Expedition-Serie bekannt – hat den Standard für Soft-Luggage im Bikepacking neu definiert.
Inhaltsverzeichnis
Zehn Jahre später folgt nun das erste große Update.
Und das merkt man.
Die neue Apidura Expedition-Serie ist nicht einfach ein Facelift, sondern das Ergebnis aus einem Jahrzehnt Praxiserfahrung: Langstrecken, Ultradistance-Rennen, Materialverschleiß, Reparaturen und vor allem Feedback aus der Community. Bikepacking hat sich in dieser Zeit massiv weiterentwickelt – von einer Nische hin zu einer vielseitigen Disziplin zwischen Gravel, Straße, Trail und Expedition.
Genau darauf antwortet Apidura mit der neuen Generation.
Erster Eindruck – Stabilität ist das neue Leitmotiv
Was sofort auffällt: Die neue Expedition-Serie fühlt sich deutlich stabiler an. Und zwar durchgehend – über alle Taschen hinweg.
Apidura arbeitet jetzt an vielen Stellen mit integrierten Kunststoffverstärkungen, die in einer Wabenstruktur ausgeführt sind. Das sorgt für mehr Formstabilität, ohne das Gewicht unnötig zu erhöhen. Genau dieser Spagat gelingt hier ziemlich gut.
Auch optisch hat sich etwas getan: Das neue schwarze Design mit gelben Akzenten wirkt moderner und gleichzeitig zurückhaltender. Das Logo ist dezenter geworden – ein Schritt, der gut zur mittlerweile etablierten Position der Marke passt.

Lenkertasche – das Highlight der Serie
Am meisten beeindruckt hat mich ganz klar die neue Lenkertasche.
Ich hatte die 9-Liter-Version im Einsatz – montiert an einem 440 mm breiten Salsa Cowbell Lenker. Eingestellt auf Breitenstufe 2 von insgesamt 5 passt das Setup perfekt für Dropbar-Setups.

Wichtig zu wissen: In schmaleren Einstellungen reduziert sich das tatsächliche Volumen. Die vollen 9 Liter lassen sich vermutlich nur an einem Flatbar komplett nutzen. Trotzdem wirkt die Tasche auch in dieser Konfiguration absolut ausreichend dimensioniert.
Neues Haltersystem – endlich richtig stabil
Das neue Montagesystem ist ein echter Gamechanger.
Statt der bekannten Schaumstoffblöcke setzt Apidura jetzt auf zwei feste Halter, die direkt mit dem Taschenkörper verbunden sind. Das sorgt nicht nur für deutlich mehr Stabilität, sondern schafft auch mehr Platz am Lenker – ein nicht zu unterschätzender Vorteil der dir alle Griffpositionen freihält.


Das Kordelsystem mit gelber Schnur wirkt zunächst simpel – fast zu simpel. In der Praxis funktioniert es aber erstaunlich gut:
- Kordel unter dem Vorbau durchführen
- Seitlich im Haltearm fixieren
- Zusätzlicher G-Hook-Gurt gegen Aufschwingen
Sobald alles gespannt ist, sitzt die Tasche bombenfest. Wirklich beeindruckend, wie stabil dieses minimalistische System funktioniert.

Durchdachte Details
- Silikonpuffer an den Haltern (aktuell für runde Lenker)
- Perspektivisch denkbar: Einsätze für Aero-Lenker
- Reflektierende Elemente
- Skala zur symmetrischen Einstellung
- Seitenmarkierung für aktuelle Breite
Rollverschluss neu gedacht
Wer kennt es nicht: unsauber eingerollte Taschen, eingeschränkter Zugriff auf Schaltung oder Lenker.
Apidura löst das mit:
- Magnetverschluss
- Haken auf der Unterseite
- klare Führung beim Einrollen
Das funktioniert überraschend intuitiv, sorgt für eine saubere, symmetrische Form – und ehrlich gesagt: Es ist das erste Mal, dass das Verschließen einer Lenkerrolle wirklich Spaß macht.


Zubehör & Modularität
Richtig stark ist das Zubehörkonzept:
- Front Accessory Pack (zusätzliche Fronttasche)
- Cargo Mesh (zusätzlicher Stauraum mit Magnetbefestigung)
- GPS- und Zubehörhalter

Das Cargo Mesh ist besonders clever:
- Magnetische Fixierung mit Arretierung unten
- Schnallen oben
- integrierter Zipper
- abnehmbar und als Tasche nutzbar
Auch die Zusatzmodule lassen sich mit einem Schultergurt tragen – ein Detail, das auf längeren Touren durchaus Sinn macht.


Softvent – unsichtbar, aber effektiv
Das integrierte Softvent-Ventil sorgt dafür, dass Luft beim Komprimieren entweichen kann, ohne dass Wasser eindringt. Es ist unsichtbar verbaut, extrem simpel und verzichtet komplett auf anfällige Hardware.

Satteltasche – spürbar stabiler
Ich konnte die 13-Liter-Version der neuen Satteltasche testen – und auch hier zeigt sich sofort der Fokus auf Stabilität.

Die integrierte Kunststoffverstärkung mit Wabenstruktur sorgt dafür, dass die Tasche deutlich steifer am Rad sitzt. Weniger Wackeln, mehr Kontrolle.
Verbesserungen im Detail
- Überarbeiteter Rollverschluss mit zusätzlicher Flap
- Der Flap stabilisiert die Tasche, dient gleichzeitig als Stauraum für extra Ladung und sorgt für cleane Optik
- robusteres Material ohne spürbares Mehrgewicht

Neues Licht-Setup
Statt klassischer Schlaufen gibt es jetzt einen festen Mount für Zubehör. In meinem Setup habe ich eine Lampe mit Adapter getestet – konkret die Exposure Boost R 3 React mit Clip Mount – und das funktioniert einwandfrei.

Cargo statt Gepäckspinne
Die klassische Gepäckspinne, bei der gerne mal was auf der Tour verloren geht, ist verschwunden.
Stattdessen:
- zwei super robuste Cargo Mesh Pockets an den Seiten
- Platz für Flaschen, Kleidung oder Verpflegung
- zusätzliche Sicherungsschlaufen an den Mesh Pockets

Stability Channel
Ein neues Polster an der Sattelseite sorgt für besseren Kontakt zur Sattelstütze. Die ausgeprägten Rails schmiegen sich optimal an die Sattelstütze an und verhindern ein Verdrehen. In Kombination mit einem Silikonprint entsteht deutlich mehr Grip.

Wichtig: Durch die steifere Bauweise und die „Rails“ braucht die Tasche etwas mehr Platz. Sie sollte nicht über die Sattelklemme hinausragen.
Größen & Volumen
Die Tasche gibt es in:
- 9 L
- 13 L
- 16 L
Positiv: Die Volumenangaben sind diesmal realistisch – ein Punkt, der beim Vorgänger nicht ganz optimal war.
Auch hier kommt wieder das Softvent-System zum Einsatz.

Rahmentaschen – endlich formstabil
Die neuen Rahmentaschen konnte ich vorab sehen, aber noch nicht selbst Probefahren.
Der Unterschied zum Vorgänger ist aber offensichtlich: Die neue Wabenverstärkung sorgt dafür, dass die Taschen auch ohne Inhalt ihre Form behalten. Kein „labbriges“ Verhalten mehr, kein permanentes Nachjustieren der Gurte.


Technische Updates
- Zipper Rails mit Carbon/Glasfaser-Verstärkung
- stabilerer Reißverschluss mit verbessertem Schutz vor unbeabsichtigtem Aushängen
- kein zusätzlicher Wetterschutz-Flap mehr nötig
Die Front der Rahmentasche ist bewusst flexibel, sodass sich die Tasche sauber an die Spitze deines Rahmendreiecks anschmiegt.
Neue Befestigung
- Hypalon-Straps
- Silikonprint für besseren Grip
- Camlock-Verschlüsse
Ein Kabelausgang ist weiterhin vorhanden.
Größenstruktur
Die Anzahl der Größen wurde reduziert und gleichzeitig optimiert – mit besserer Abdeckung für kleinere Rahmen.
Oberrohrtasche – kleine, sinnvolle Updates
Hier hat sich weniger verändert – was nicht negativ ist.
Das neue Material und Design wurden übernommen. Besonders interessant ist die neue, flachere 0.6-Liter-Version für sportliche Cockpits. Aktuell gibt es diese Variante nur mit Klettbefestigung.


Ein schönes Detail: Rahmen- und Oberrohrtasche können mit dem gleichen Strap befestigt werden. Das sorgt für ein sehr aufgeräumtes Setup.
Gewicht, Preis und Einordnung
Ja, die neue Expedition-Serie ist ein paar Gramm schwerer geworden.
Aber:
Diese Gramm bringen spürbare Vorteile in Stabilität, Haltbarkeit und Handling.
Und genau darum geht es bei der Expedition-Serie:
- maximale Robustheit
- zuverlässige Wasserdichtigkeit
- Performance unter realen Bedingungen
Wer kompromisslos leicht unterwegs sein will, findet weiterhin Alternativen in der Race-Serie von Apidura.
Preisentwicklung
Die Preise sind im Zuge des Updates um etwa 8 bis 12 Prozent gestiegen.
Angesichts der Verbesserungen ist das nachvollziehbar – trotzdem gilt: Wer sparen will, sollte sich die letzten Bestände der Vorgängermodelle anschauen. Einige davon sind allerdings bereits vergriffen.
Fazit – eine der besten Expedition-Serien am Markt
Apidura hat mit diesem Update genau das geliefert, was man sich nach zehn Jahren erwartet:
Keine radikale Neuerfindung – sondern gezielte, durchdachte Verbesserungen an den richtigen Stellen.
Die neue Expedition-Serie ist:
- stabiler
- durchdachter
- moderner
ohne ihre ursprünglichen Stärken zu verlieren.
Für anspruchsvolle Bikepacker, Langstreckenfahrer und Ultra Racer ist das aktuell eines der überzeugendsten Systeme am Markt.
Ich bin mir ziemlich sicher: Diese Taschen werden bei uns im Shop sehr schnell zu echten Topsellern.
Was meinst du zur neuen Expedition-Serie?
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