Bikepacking in Südamerika: Meine Reise durch Chile und Argentinien

Avatar-Foto Von Lena Moser Lesedauer: 6 Minuten
Torres del Paine am HorizontTorres del Paine am Horizont © Lena Moser

In Patagonien prägt ein Satz jede Reise durch diese beeindruckende Region: „El que se apura en la Patagonia pierde el tiempo“ – grob übersetzt: „Wer sich in Patagonien beeilt, verliert seine Zeit.“ Ich bin Lena, begeisterte Bikepackerin und Abenteurerin, und seit Ende November bin ich auf meiner bisher größten Bikepacking-Tour unterwegs: mehrere Monate auf dem Rad durch Chile, Argentinien und vielleicht noch ein Stück weiter.

Mit meiner Reise möchte ich nicht nur ferne Landschaften entdecken, sondern auch andere Frauen ermutigen, sich auf Abenteuer einzulassen – egal, ob groß oder klein. Patagonien bietet dafür die perfekte Mischung: endlose Steppen, imposante Vulkane, Fjorde, Gletscher und eine Natur, die einen staunen lässt.


Start und Route

So bereise ich nun seit zwei Monaten (langsamer als ursprünglich gedacht) diesen faszinierenden Flecken Erde. Patagonien stand schon lange auf meiner persönlichen Bikepacking-Liste. Weite Landschaften, lange Strecken ohne Infrastruktur und eine unglaublich abwechslungsreiche Natur machen den Süden Südamerikas zum idealen Ziel für eine längere Radreise.

Für diese Tour hatte ich mir ein klares Ziel gesetzt: ohne festen Zeitplan 3,5 Monate unterwegs sein, offen für Umwege, Pausen und Begegnungen. Genau diese Freiheit hat meine Reise bisher geprägt.

Unterwegs zwischen Vulkanen, Regenwald und Steppe

Nach ein paar Tagen in Chiles Hauptstadt Santiago begann mein Abenteuer in Pucón, dem diesjährigen Startort des Across Andes Bikerace. In dieser Region prägen Vulkane, Seen und dichte Wälder das Landschaftsbild. Einige Tage bin ich der Rennroute gefolgt, bevor es über einen Stopp in Valdivia weiter nach Puerto Montt ging.

Wanderparadies El Chaltén  © Lena Moser

Dort begann mit der Carretera Austral einer der eindrucksvollsten Abschnitte meiner Reise. Über viele hundert Kilometer führte mich die Strecke durch dichte Wälder, vorbei an Fjorden, Gletschern und einsamen Tälern bis nach Villa O’Higgins, dem letzten Ort und Endpunkt der Carretera Austral. Von hier aus können Radreisende über einen abenteuerlichen Hike-a-Bike-Grenzübertritt über den Paso Marconi nach Argentinien einreisen.

Queulat Gletscher © Lena Moser

In Argentinien ging es mit Stopps in El Chaltén und El Calafate durch die dünn besiedelte, windige Pampa. Zwar trifft man hier nur wenige Menschen, dafür aber umso mehr Wildlife: Guanacos, Nandus und Füchse prägen die Landschaft. Vor ein paar Tagen bin ich wieder zurück nach Chile in den Torres-del-Paine Nationalpark gekreuzt und bereite mich nun auf die letzte Etappe Richtung Tierra del Fuego vor.

Guanacos entlang der Straßen in Argentinien © Lena Moser

Auch wenn ich alleine reise, ist man hier selten wirklich allein. Besonders entlang der Carretera Austral sind viele Radreisende unterwegs. Oft fährt man einzelne Etappen gemeinsam oder trifft sich abends beim Zelten. Die tolle Gemeinschaft von Radreisenden hat meine Zeit hier bisher sehr bereichert.


Autarke Etappen & Versorgung

Der Grad der Autarkie variiert je nach Region stark. Im nördlichen Teil meiner Route kam ich meist alle ein bis zwei Tage an kleinen mercados vorbei. Fehlt ein Laden, verkaufen Anwohner häufig Eier oder Brot direkt von zu Hause.

Auf der Carretera Austral ist die Wasserversorgung unkompliziert: Aus den zahlreichen Bächen und Wasserfällen lässt sich problemlos Trinkwasser filtern. In Argentinien sah es dagegen anders aus – hier gibt es Strecken von über 250 km ohne trinkbare Wasserquelle. Mithilfe von iOverlander lassen sich jedoch Orte wie Polizeistationen finden, an denen man Wasser auffüllen kann. Ein Wasserfilter ist für diese Region generell unverzichtbar.

Traumhafte Zeltplätze an der Carretera Austral. Bei gutem Wetter kann man das Sea to Summit Telos Evo auch freistehend ohne Hülle nutzen © Lena Moser

Für mich ist Zelten die ideale Art, unterwegs zu sein. Es gibt einem die Freiheit, an den schönsten Orten mit Blick auf Gletscher und türkisfarbene Bäche die Nächte zu verbringen und die Landschaft in vollen Zügen zu genießen. Auf der Carretera Austral wäre es auch möglich, in Unterkünften zu übernachten. Ab Argentinien wird das aber praktisch unmöglich, da in machbaren Tagesetappen kaum Unterkünfte erreichbar sind.

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Klima, Wetter und Herausforderungen

Das Wetter in Patagonien ist wechselhaft und unberechenbar. Sonnige Tage können schnell in Sturm oder Regen umschlagen. Je weiter südlich ich komme, wird besonders der Wind zu einer ständigen Herausforderung. Gute Regenkleidung und warme Layer haben sich bisher bewährt.

Unfassbare Weite der Argentinischen Pampa © Lena Moser

Auch die Temperaturen schwanken stark: Tagsüber gab es Tage mit bis zu 30 Grad, nachts kann es sehr kalt werden. Ein zuverlässiges Schlafsystem für kalte Temperaturen und regnerische Tage ist daher essenziell.


Packliste

Hier in Patagonien erfordern lange Distanzen, Schotterpisten und extremes Wetter Flexibilität und eine robuste Ausrüstung. Hier ist ein Überblick meiner Ausrüstung:

Unterwegs auf dem VSF Fahrradmanufaktur AX-1000 © Lena Moser

Fahrrad

  • VSF Fahrradmanufaktur AX-1000 mit Pinion-Getriebe & Gates Carbon Drive (super bequem und bewährt bei Schotter, Staub und Nässe)
  • Sattel: Brooks B17s Special
  • Nabendynamo mit Supernova E3 Pro 2 Lampe (Front) & E3 Taillight 2
  • Reifen Schwalbe Racing Ray (vorne) und Racing Ralph (hinten)

Racks & Cages

Taschen

Camping-Ausrüstung

Ersatzteile & Werkzeug

  • 1x Ersatzreifen
  • 2x Schläuche
  • Flickzeug
  • Luftpumpe
  • Gates Ersatzriemen
  • Ersatzspeichen
  • 4x Bremsbeläge
  • Multitool
  • Tape, Kabelbinder

Kleidung

  • Regen: Regenjacke, Regenhose, wasserabweisende Handschuhe
  • Isolation: Kunstfaserjacke, Fleecejacke, Fleecelongsleeve
  • Oberteile: 4x T-Shirts, 1x Longsleeve, 1x leichtes Button-Shirt
  • Hosen: 1x lange Hose, 2x Shorts, 1x Bibshort
  • Unterwäsche: 3x Socken, 3x Unterhose, Sport-BH
  • Schuhe: Approachschuhe, Sandalen, Radschuhe
  • Helm & Brille, Buff, Radhandschuhe, warme Handschuhe

Hygiene

Elektronik

  • Kamera: Sony Alpha 7
  • Laptop: MacBook Air
  • Solarpanel
  • 2x Powerbanks (10.000 & 20.000 mAh)
  • Bluetooth-Speaker
  • Stirnlampe
  • Kabel & Adapter

Feedback zur Ausrüstung

Diese Teile haben mich besonders überzeugt

Ganz klar: mein Rad mit Pinion und Riemenantrieb. Ich hatte absolut keine mechanischen Probleme. Kein Rost, keine verschlissenen Ketten, keine verbogenen Schaltwerke – und nach staubigen oder matschigen Etappen war alles schnell und unkompliziert zu reinigen. Gerade auf langen Distanzen und abgelegenen Strecken ist diese Zuverlässigkeit Gold wert.

Außerdem mein Schlaf-Setup. Mein Zelt hat Regen und starkem Wind zuverlässig standgehalten. In Kombination mit einem warmen Schlafsack und einer Isomatte mit gutem R-Wert habe ich nachts nie gefroren – selbst wenn es draußen ungemütlich wurde.


Das war überflüssiger Ballast

Bisher definitiv mein Solarpanel. Ich bin sehr gut damit zurechtgekommen, meine Powerbanks alle paar Tage in Cafés, auf Campingplätzen oder in Unterkünften zu laden. Das Panel war zusätzliches Gewicht, das ich im Alltag kaum gebraucht habe.


Das würde ich bei der nächsten Reise optimieren

Meine Kleidung würde ich reduzieren und stärker auf Merinoteile setzen. Weniger Teile, dafür vielseitiger kombinierbar – das spart Gewicht und Platz.

Außerdem würde ich nicht mehr die großen Ortlieb Backroller mitnehmen. Auf langen Schotterpisten haben sie stark gewackelt und an meinem Old Man Mountain Gepäckträger Material abgetragen – vor allem, weil sie schwer beladen waren. Ich habe andere Reisende getroffen, die Panniers mit Straps– oder Klettsystemen befestigt hatten, und das hat sich auf den endlosen Ripio-Pisten deutlich besser bewährt als das klassische Ortlieb-Hakensystem.

💬 Anmerkung vom Bike-Packing Shop:
Es gibt mittlerweile Ortlieb Backroller mit QL2.2-System, bei denen sich die Haken besser auf den Gepäckträger einstellen lassen und eine Anti-Scratch-Gummierung für den Schutz des Rahmens sorgt. Zusätzlich kann man unten einen extra Haken und Anti-Rubber Pads an der Taschenrückseite anbringen. Eine Rahmenschutzfolie am Gepäckträger wirkt zusätzlich rutschhemmend und schützt den Lack vor Abrieb.

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Auch beim Kocher würde ich umdenken. Ich hatte einen Trangia-Spirituskocher dabei, weil ich dachte, Gaskartuschen seien schwer zu bekommen. Tatsächlich war es genau andersherum: In fast jedem kleinen Ort gab es Gaskartuschen, während Brennspiritus schwer aufzutreiben war. Manche Ferreterías hatten „Solvente de Quemar“, ansonsten blieb oft nur teurer Alkohol aus der Apotheke. Der Trangia hat zwar zuverlässig funktioniert – selbst bei starkem Wind – und keinen zusätzlichen Windschutz gebraucht, aber er nimmt viel Platz weg. Hier würde ich künftig eher auf einen Gaskocher setzen.

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Fazit

Bikepacking in Patagonien ist eine Mischung aus Abenteuer, Naturerlebnis und purer Freiheit. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, unvergessliche Landschaften und Begegnungen mit Menschen und Tieren. Diese Reise hat mir einmal mehr gezeigt, wie viel Freiheit und Inspiration auf dem Rad liegt – und ich hoffe, dass meine Erfahrungen auch andere Frauen dazu ermutigen, ihre eigenen Abenteuer zu starten.

Torres del Paine Nationalpark © Lena Moser

Von Lena Moser

Lena Moser Bikepacking

Ich bin Lena, begeisterte Bikepackerin und Abenteurerin. Mit meinen Reisen möchte ich andere Frauen dazu ermutigen, eigene Abenteuer zu starten – egal ob groß oder klein. In den letzten Jahren war ich bereits auf Touren durch Chile, Argentinien, Portugal, entlang des Donauradwegs und über die Alpen unterwegs und habe dabei meine Leidenschaft für Radreisen immer weiter vertieft.