Dass ich auf meiner einjährigen Fahrradweltreise von Deutschland Richtung Osten ausgerechnet auf Zypern landen würde, hätte ich nie gedacht. Noch weniger hätte ich erwartet, dass mich das touristisch erschlossene Land nach all den Erlebnissen zuvor so begeistern würde. Auf meiner Reise bin ich durch insgesamt 32 Länder geradelt – und wenn mich heute jemand nach einem geeigneten Ziel für einen Bikepacking- oder Radurlaub fragt, gehört Zypern definitiv zu meinen ersten Empfehlungen.
Inhaltsverzeichnis
Warum sich Radfahren auf Zypern lohnt
Zypern verbindet auf kleinem Raum unglaublich abwechslungsreiche Landschaften miteinander. Von mediterranen Küstenstraßen über einsame Schotterwege bis hin zu anspruchsvollen Anstiegen im Troodos-Gebirge bietet die Insel ideale Bedingungen für eine Radreise durch Zypern. Besonders für Gravelbike- und Bikepacking-Touren ist die Kombination aus gut ausgebauten Straßen, abwechslungsreichen Wegen und angenehmem Klima sehr attraktiv.
Nachdem ich den Großteil meiner Weltreise alleine unterwegs gewesen war, bekam ich für zwei Wochen Gesellschaft. Mein Freund Adrian flog mit seinem Fahrrad von Deutschland nach Larnaka, um mich auf einem Teil der Reise zu begleiten. Dank Direktflug war die Anreise unkompliziert, das Fahrrad am Flughafen schnell aufgebaut und unser gemeinsames Abenteuer konnte direkt beginnen.
Für unseren Aufenthalt hatten wir etwa eine Woche eingeplant, bevor wir mit der Fähre von Girne in Nordzypern in die Türkei übersetzen wollten. Bei der Routenplanung orientierten wir uns vor allem an bikepacking.com, einer Website, die mich auf meiner Reise regelmäßig bei der Suche nach spannenden Strecken inspiriert hat. Dort werden gleich zwei Bikepacking-Routen auf Zypern vorgestellt, die ich nachfolgend kurz vorstellen möchte.
Bevor wir von unserer eigenen Tour berichten, möchten wir dir die beiden bekanntesten Bikepacking-Routen auf Zypern kurz vorstellen. Beide bieten eine hervorragende Grundlage für die Routenplanung und zeigen, wie vielfältig die Insel für Radreisende ist.
Zypern auf einen Blick
- Geeignet für: Gravelbike, Rennrad & Bikepacking
- Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll
- Beste Reisezeit: März–Mai & Oktober–November
- Straßenqualität: sehr gut
- Verkehr: außerhalb der Städte entspannt
- Wildcampen: offiziell nicht erlaubt
- Wasser: regelmäßig verfügbar
Unsere Route über die Insel

Cyprus Crossing
Die Cyprus Crossing ist eine etwa einwöchige Bikepacking-Route quer durch die Republik Zypern. Sie verbindet die schönsten Offroad-Strecken der Insel miteinander und führt über traumhafte Schotterpisten – von an die Strade Bianche erinnernden Wirtschaftswegen bis hin zu einsamen Trails durch duftende Kiefernwälder.
Eines solltest du allerdings mitbringen: gute Kletterbeine. An Höhenmetern mangelt es dieser Route definitiv nicht.


The Kyrenia Traverse
Die Kyrenia Traverse ist eine viertägige Bikepacking-Route durch Nordzypern, den nur von der Türkei anerkannten Nordteil der Insel. Sie beginnt auf der beeindruckenden Karpas-Halbinsel und folgt überwiegend wenig befahrenen Schotterwegen entlang des schmalen Kamms des Kyrenia-Gebirges.
Unterwegs erwarten dich mittelalterliche Burgen, spektakuläre Ausblicke auf die Küste und das Inselinnere sowie abwechslungsreiche Passagen aus Schotter, Naturwegen und Asphalt. Die Route zeigt eine Seite Zyperns, die nur wenige Reisende kennenlernen.
Unsere Reiseerfahrung
Von Larnaka ins Troodos-Gebirge
Auf unserem Weg von Larnaka nach Girne entschieden wir uns, einen Teil der Kyrenia Traverse zu fahren. Zunächst folgten wir jedoch der Küstenstraße bis nach Limassol. Die Hotelanlagen ließen wir schnell hinter uns und fuhren anschließend ins Landesinnere in Richtung Troodos-Nationalpark.
Dort befindet sich auch der Mount Olympus, der mit 1.952 Metern höchste Berg der Insel. Bereits am zweiten Tag machten wir uns an den langen Anstieg durch dichte Kiefernwälder. Oben angekommen mussten wir allerdings feststellen, dass sich auf dem Gipfel ein Militärstützpunkt befindet und der höchste Punkt deshalb nicht zugänglich ist. Die lange Abfahrt über die verkehrsarmen und hervorragend asphaltierten Straßen entschädigte dafür umso mehr.
Über Nikosia nach Nordzypern
Am dritten Tag erreichten wir Nikosia und gönnten uns dort eine Unterkunft. Nikosia ist die letzte geteilte Hauptstadt der Welt. Eine von UN-Truppen überwachte Demarkationslinie trennt die Stadt in einen griechisch-zyprischen Süden und einen türkisch-zyprischen Norden, was uns an die Berliner Mauer und die Geschichte Deutschlands erinnert hat.
Am nächsten Vormittag ließen wir uns noch etwas durch die Altstadt treiben, bevor es bei regnerischem Wetter wieder in die Berge ging. Mit seiner großen Übersetzung hatte Adrian an den steilen Anstiegen ordentlich zu kämpfen. Gerade mit Gepäck macht sich eine kleinere Übersetzung schnell bezahlt. Er ließ sich aber nicht kleinkriegen und so schafften wir es doch noch über den Berg.
Unser Nachtlager schlugen wir auf einem Grillplatz mitten im Wald auf. Während der gesamten Woche hatten wir beim Wildcampen kein einziges Problem.

Schlamm, Gastfreundschaft und unvergessliche Begegnungen
Der fünfte Tag begann im dichten Nebel. Auf kurvenreichen Straßen fuhren wir zunächst durch mystische Nadelwälder, bevor uns die Kyrenia Traverse auf unbefestigte Wege führte. Schließlich standen wir plötzlich vor völlig aufgeweichten Feldwegen. Der klebrige Lehm setzte sich so stark zwischen Reifen und Rahmen fest, dass unsere Räder blockierten und an Fahren nicht mehr zu denken war. Uns blieb nichts anderes übrig, als ein Stück zurückzuschieben, bis wir wieder Asphalt erreichten.
Dort erlebten wir zum ersten Mal die außergewöhnliche Gastfreundschaft der Zyprer. Einheimische ließen uns unsere völlig verdreckten Fahrräder mit einem Wasserschlauch reinigen und luden uns anschließend spontan auf einen Kaffee und später sogar zum Abendessen ein. Diese Herzlichkeit hat uns nachhaltig beeindruckt und ist uns bis heute in Erinnerung geblieben.
Auch unser letzter Tag auf Zypern begann mit einer besonderen Begegnung. Auf der Suche nach einem Platz zum Frühstücken durften wir uns vor einem Haus auf die Couch setzen. Obwohl wir unser eigenes Essen dabeihatten, deckten die Bewohner kurzerhand einen Tisch mit allerlei Speisen für uns. Adrian, der eine solche Gastfreundschaft zum ersten Mal erlebte, war sichtlich von den letzten beiden Tagen berührt.

Anschließend folgten wir der Nordküste auf wunderschönen Radwegen bis nach Girne. Dort verbrachten wir unsere letzte Nacht am Strand, bevor wir am nächsten Morgen die Fähre in die Türkei nahmen. Das Fährticket konnten wir problemlos online buchen, wobei sich Fahrzeiten und Fahrplan je nach Wochentag unterscheiden können. In der Türkei setzten wir unsere Tour gemeinsam der Küste entlang bis nach Antalya fort.

Tipps für deine Bikepacking-Tour auf Zypern
Die beste Reisezeit für eine Radreise durch Zypern sind die Monate März bis Mai sowie Oktober und November. In dieser Zeit sind die Temperaturen angenehm und die Bedingungen für längere Touren ideal.
Trinkwasser lässt sich in Dörfern und an Tankstellen regelmäßig auffüllen. Abseits der Städte ist der Verkehr meist angenehm ruhig, sodass sich auch längere Abschnitte auf Asphalt entspannt fahren lassen.
Für die vielen Anstiege im Troodos-Gebirge solltest du allerdings über eine bergtaugliche Übersetzung verfügen. Gerade mit Gepäck machen sich zusätzliche Reserven schnell bemerkbar.
Die GPX-Daten der bekannten Bikepacking-Routen sind eine hervorragende Grundlage für die Planung. Trotzdem lohnt es sich, die Strecke individuell anzupassen und eigene Schwerpunkte zu setzen. Wildcampen ist offiziell nicht erlaubt, während unserer Reise hatten wir damit jedoch keinerlei Schwierigkeiten.



Fazit
Nach sechs Fahrtagen standen knapp 500 Kilometer und über 6.700 Höhenmeter auf unserem Tacho.
Obwohl Zypern vergleichsweise klein ist, haben wir nur einen Bruchteil der Insel gesehen. Besonders das wenig touristische Landesinnere hat mich landschaftlich begeistert. Einsame Schotterstraßen, dichte Wälder, spektakuläre Berglandschaften und die außergewöhnliche Gastfreundschaft machen Zypern zu einem echten Geheimtipp.
Egal ob anspruchsvoller Bikepacking-Trip mit vielen Höhenmetern, eine Radreise durch Zypern oder ein Gravelbike-Urlaub auf Zypern mit hervorragend ausgebauten Straßen – die Insel bietet ideale Bedingungen für beides.
Besonders begeistert haben uns die landschaftliche Vielfalt und die Gastfreundschaft der Menschen. Innerhalb weniger Tage wechselten sich Küstenstraßen, dichte Pinienwälder, spektakuläre Berglandschaften und einsame Schotterpisten ständig ab. Gleichzeitig trafen wir immer wieder auf hilfsbereite Einheimische, die unsere Reise zu etwas Besonderem machten. Wer eine abwechslungsreiche Bikepacking-Destination mit gut ausgebauten Straßen, anspruchsvollen Anstiegen und mediterranem Flair sucht, sollte Zypern unbedingt auf seine Wunschliste setzen.
Mehr Einblicke
Wenn du noch mehr Eindrücke unserer Tour sehen möchtest oder selbst eine Bikepacking-Reise auf Zypern planst, findest du auf meinem Instagram-Kanal viele weitere Fotos, Videos und Eindrücke von unterwegs.
Auf Instagram unter tom__steffens findest du tägliche Updates, Videos und meine komplette Route.
